Montag, 28. Dezember 2009

Aller Anfang ist schwer

Als der Riemen letztes Jahr auf der Eurobike vorgestellt wurde, schien dem Konzept außer nicht kompatiblen Rahmen nichts mehr im Wege zu stehen, die Vorteile sprachen für sich: Leichter, wartungsfrei, langlebiger, leiser - ein Traum. Im Grunde ist es ja gar kein Riemen, sondern Gates Carbon Drive, die Carbonfasern und die "Verzahnung" machen den Unterschied.


Das Problem mit dem offenem Rahmen wurde bald gelöst, bei Nicolai durch ein öffnebares Yoke, bei anderen durch ein öffnebares Ausfallende, dazu eine Portion Kettenspanner und fertig ist das Traumrad?!



Leider nein, denn die Riemengegner formieren sich, sagen den Riemenritzeln eine geringe Haltbarkeit nach, sprechen von durchrutschenden "Zähnen" und einem hohen Unfallrisiko - was ist da dran?


ID-Worx ist so nett, zu erklären, warum sie sich dem Riemen versperren:


1. Er ist während der Fahrt nicht leiser als eine Kette


FLP: Das hängt vom Vergleich ab! Natürlich ist eine gespannte Kette genauso leise, aber im Vergleich zur schlackernden Kettenschaltung eben doch.


2. Die Abnutzung an den Ritzeln muss durch Nachspannen ausgeglichen werden.


FLP: Die Abnutzung von Kette und Kettenritzeln muss öfter durch  Nachspannen ausgeglichen werden.


3. Die Hose bleibt sauber, aber der Riemen nicht, ein Kettenkasten hält beides sauber.


FLP: Mag schon sein, aber ein Kettenkasten ist optisch und gewichtstechnisch unsinnig, wenn man mit Riemen darauf verzichten kann.


4. Durch Kettenspanner und eventuell Stahlritzel ist die Gewichtsersparnis marginal


FLP: Man kann nicht sowohl die Haltbarkeit, als auch das Gewicht ankreideln. Entweder, der Riemen hält inklusive Ritzeln ewig, oder er ist deutlich leichter - dann muss eben ab und an nachgespannt werden.


5. Die Höhere Lebensdauer ist wegen der verschleißenden Ritzel nicht günstiger.


FLP: 4 Ketten 5000km lang auf den selben Ritzeln und Kettenblättern zu fahren, ist schlichtweg unrealistisch. Selbst wenn, müssen nach 20000km auch Kettenblatt und Ritzel getauscht werden, genau wie beim Riemen, wodurch die Kette in keinem Fall günstiger ist. (4 x 30 € + 40 + 30 = 190€) Für den Preis gibt es auch den Riemen mit beiden Ritzeln. 


Soweit zu den Vorteilen des Riemens. Meiner Meinung nach sind es wirkliche Vorteile, da er günstiger, leiser und leichter ist. Vor allem muss er aber nicht geölt und oft getauscht werden - die Kosten für diese Wartung mit einzurechnen, würde den Riemen noch attraktiver machen.





Als Nachteile des Riemens führt man bei ID-Worx an:


1. Empfindlichkeit, jetzt kommts: "wenn beispielsweise beim Mountainbiking ein Stock in die Speichen gerät und dann von diesen auf den Riemen gedrückt wird. Eine andere recht häufig zu erwartende Misshandlung besteht im Kontakt des Riemens mit den oft sogar scharfkantigen Pedalen anderer Fahrräder, wenn mehrere Fahrräder nebeneinander abgestellt werden. Auch durch Unachtsamkeiten beim Ein- und Ausbau des Hinterrades (z. B. beim Reifen- oder Schlauchwechsel) kann der Riemen beispielsweise durch Verdrehen oder Knicken so stark belastet werden, dass Karbonfasern in seinem Innern reißen. "


FLP: Es tut mir leid, aber einen größeren Humbuk habe ich lange nicht lesen müssen. Ammenmärchen. Meiner Erfahrung nach ist der Riemen ein robustes Bauteil. 


2. Erhöhtes Unfallrisiko durch höhere Wahrscheinlichkeit für Reißen des Riemens.


FLP: Glaube ich nicht. Weil ich auch nicht an die Beschädigungen glaube. 


3. In der Serienfertigung von Fahrradrahmen kaum realisierbare Anforderungen an die Genauigkeit.
"Wir kennen jedenfalls keinen Rahmenhersteller - und wir kennen eine ganze Reihe der Besten -, der in der Serienproduktion von Rädern, selbst in der Preisklasse eines idworx Easy Rohler eine solche Genauigkeit garantieren kann, wie sie dieser Riemen erfordert. “


FLP: Also bauen alle anderen Hersteller, die Riemen verwenden, Schrott? Glaube ich kaum.


Wenn ich mir die Argumente durchlese, stelle ich fest: ID-Worx will keinen Riemenantrieb anbieten, und sucht noch nach rationalen, verkaufbaren Argumenten. Die Wahrheit ist jedoch, dass es Ihnen vermutlich zu teuer oder aufwendig ist, einen präzisen, öffnebaren Rahmen mit effektiver Kettenspannung zu bauen. Schade. 


Ich jedenfalls halte Gates Carbon Drive nach wie vor für eine geniale Neuerung und werde so schnell wie möglich ein Riemenstadtrad realisieren...

Kommentare:

  1. http://velotraum.de/news/kein-Gates-Carbon-Drive-riemenantrieb-bei-velotraum-fuer-2010

    AntwortenLöschen
  2. Viel Glück und Spass beim Testen.

    Lass uns Deine Erfahrungen wissen.

    Es gibt nicht oft Leute, die sich für viel Geld etwas kaufen, um es für den Hersteller zu Testen ;-))

    Gruß

    AntwortenLöschen
  3. Erster WIRKLICHER, da schwerWIEGENDER Nachteil: Der Riemen muss gespannt werden. Excenter oder Spannrolle oder verschiebbares Ausfallende. Das verschiebbare Aufallende wiegt, der Rahmen muss geöffnet werden können(schwächendes Bauteil). Warum baut da niemand ein elevatedt chainstay Rad mit Gates? Das wäre ein sinnvoller Schritt in diese Richtung.

    AntwortenLöschen
  4. im IBC hab ich schon ein Cannondale Prophet mir Riemen gesehen. Selbstgebauter Riemenspanner + elevated chainstays und schon war das Rohloff-Riemen-Fully fertig. Nach eigenen Angaben macht es dem Riemen bislang nichts aus, dass er durch den Spanner entgegen der normalen Richtung belastet wird.

    @anonym: Gates kommt aus der Autoindustrie... die verwenden Riemen doch schon ein wenig länger dort. Meinst du, das Produkt ist wirklich so schlecht?

    AntwortenLöschen