Donnerstag, 30. April 2009

Skitest: Freerider 09/10

Die Skiindustrie hatte auf der ISPO schon gezeigt, was in der kommenden Skisaison gehen wird und dabei durchaus viel versprochen - wir hatten bereits jetzt die Gelegenheit zu überprüfen, ob im nächsten Winter wirklich alles besser wird: Tagelang testeten wir zahlreiche Touren- und Freerideski mit den Tourenbindungen von morgen.

Zunächst zu den echten Freeridern: Der Völkl Gotama, der Black Diamond Kilowatt und K2s Coomba gaben sich die Ehre - alle mit über 100mm unter der Bindung in den Längen 186, 185 und 181cm.

Der erste Freerider, den ich fuhr, war Völkls Gotama:
Für die neue Saison wurde er komplett erneuert, man setzt jetzt auf eine Rockerbauweise, der Ski sieht unglaublich gut aus - doch wie fährt er sich? Auf der Piste - das wundert nicht - recht gewöhnungsbedürftig. An Carven oder hohes Tempo ist nicht wirklich zu denken, doch der Ski ist ja auch nicht dafür gebaut. Also ab ins Gelände, Pulverschnee? Genial. Verspurt? Auch gut! Sulz? Übergut! Bruchharsch? Naja...
Der Ski wurde mit Diamirs brandneuer Eagle Bindung getestet, die Kraftübertragung verlief einwandfrei, kein Wackeln, Spiel oder Kraftverlust. Der Ski ist natürlich nicht der leichteste, was sich auf Tour beim Aufstieg negativ bemerkbar macht, doch auf der Abfahrt durchs Gelände ein absoluter no trouble Ski. Der gotama fährt sich leicht und souverän, nicht zickig, schwimmt sehr schnell auf und vermittelt Sicherheit. Er funktioniert auch mit wenig Geschwindigkeit, doch kann man das Gas damit auch einwandfrei stehen lassen.
Die Skispitze ist keine Spitze im herkömmlichen Sinne: Durch die Rocker-Bauweise liegen, ganz wie beim Namensgeber Schaukelstuhl, nur die mittleren 60cm des Skis auf dem Boden, der rest erhebt sich gleichmäßig, weswegen Tip und Tail ungewohnt flach aber sehr stylisch ausfallen.
Optisch ist der Ski jedenfalls der absolute Knaller!
Wer vor der Fahrt den Bauch des Buddhas streichelt, erlangt absolute Erleuchtung. Hoffentlich. Oder zumindest einen guten Run, was ja auch schon mal nicht schlecht wäre!
Je nachdem, wie die Bindung montiert wird, taugt der Ski als Alleskönner im Gelände, oder aber, bei mittig montierter Bindung, als Backcountry-Jibb-Tool, um mal den handelsüblichen Fachjargon zu zitieren.
Dank seiner leichten Holzbauweise ist der Gotama auch auf Tour durchaus zu gebrauchen, dabei sollten allerdings wegen der großen Breite Split-Felle verwendet werden, da der Gleitwiderstand sonst ins unendliche steigt.

Insgesamt ist es Völkl für die neue Saison gelungen, den Kultski Gotama zu revolutionieren, ohne die altbekannten Qualitäten in Vergessenheit geraten zu lassen: Der Ski ist ein Alleskönner zum Cruisen und Springen, nur auf der Piste und langen Anstiegen gehört er nicht zu Topguns.

Der nächste Ski, den ich mir an die Skischuh klemmte, war Black Diamonds Kilowatt, die Verbindung stellte Markers Duke her, eine Bindung, die ich auch schon seit langem hatte testen wollen, mehr dazu demnächst im Bindungsspezial.
Ich hatte relativ hohe Erwartungen an den Kilowatt, weil er gut aussieht (nächstes Jahr grün-blau), BD eine gute Marke ist, die Maße stimmen und das Gewicht passen sollte. Trotzdem sage ich es gerad heraus: Einen schlechteren Ski bin ich noch nicht gefahren. Ich weiß nicht, wer so einen Ski braucht oder kauft: Ein knallharter Flex, keinerlei Dämpfung, ein heftiger, aber leider unkontrollierbarer Kantengriff und ein zickiges Fahrverhalten in Kurven jeder Art. Das einzige, was der Kilowatt souverän beherrscht, ist Geradeausfahren. Schnell. Keine großen Kurven. Dabei schwimmt er im Pulver noch nicht einmal besonders gut auf, was an seiner harten Schaufel liegt.
Alles in allem eine herbe Enttäuschung, ich habe deshalb auch kein Foto geschossen, den Ski können eventuell manche Jungs in den Freeski movies gebrauchen, normalsterbliche werden aber keinen Spaß damit haben.

Nach diesen sehr unähnlichen Ski war ich auf den dritten im Bunde gespannt: Der K2 Coomba soll das schwierige einfach machen und für einen Ski seiner Maße ein Alleskönner sein. Diesem Anspruch wurde er auf der harten Piste gerecht - zwar kein Race-Carver, aber für einen solchen Ski sehr souverän und ohne große Schwierigkeiten zu manövrieren. Das gleiche gilt für hart gepressten Schnee, der Flex passt zur Tallierung un obwohl der Coomba geradeaus will, lässt er sich willig zirkeln.
Im Pulverschnee profitiert der Fahrer von seiner großen Breite und auch im Sulz macht K2 einfach Spaß. Gewichtstechnisch lag er gefühlt etwas unter dem Gotama.
Optisch macht der "FLOATIN" Schriftzug einiges her, auch wenn der Ski nächstes Jahr augenscheinlich nicht mehr in dem bewährt coolen Look kommt.
Fazit: Ein klasse Freerider, der sich auch auf der Piste noch mit Spaß fahren lässt - wer auf den Twintip verzichten kann, findet im Coomba einen schönen Allrounder, der auch noch für Touren taugt - bester Freerider im Sinne des Wortes, Variantenfahren ohne 1080s über Natural Hits ziehen zu wollen.

Kommentare:

  1. falsches Bild, oder falscher Namensangabe, auf dem Bild ist ein Apache zu sehn, der eher im Bereich eines Scott Atztecs einzuordenen ist

    hast du Erfahrung mit dem Powderequipment sammeln können?

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  2. Okay, nochmal für alle: Voller Name: K2 Apache Coomba, welcher mit den Maßen Radius: 23m; Taillierung: 135/102/121 mm wohl eher nicht in der Liga eines Scott Aztec spielt. Nicht zu verwechseln mit anderen Ski der Apachen-Serie.

    Powder Equipment: Leider nur mit dem Type A, also dem schmaleren der beiden Konsorten... info dazu demnächst

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  3. hi weiss gar nicht ob du den blog hier noch führst, aber danke für die eindrücke. ich bin grade dabei mich genau! zwischen apache coomba und kilowatt zu entscheiden. hand aufs herz, wenn du im frühling auf hardpack mit etwas frischem schnee oben drauf in einer klassischen firnwand steiler 40° unterwegs wärst, welchen ski würdest du nehmen?

    ich schliesse aus deinen eindrücken das ich wohl den kilowatt nehme... ich brauche einen neuen ski für steepskiing in den alpen und ich denke der apache coomba hat zu wenig eisgriff und ist in der schaufel zu weich um ordentlich in der wand zu halten?

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